Digitaler Humanismus - ein neues Thema für Wien

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Die Digitalisierung eröffnet als fundamentaler Veränderungsprozess viele neue Chancen und Möglichkeiten, hat in vielerlei Hinsichten erhebliche Vorteile gebracht und auch individuelle Freiheiten befördert. Im gleichen Atemzug ist unsere Gesellschaft dadurch verstärkt mit problematischen Entwicklungen konfrontiert, die sich vielfach beschleunigen und einen negativen Sog entwickeln.

“The system is failing!”  (Tim Berners-Lee)

Namhafte Computerwissenschaftler wie Tim Berners-Lee, der Begründer des WWW, sprechen deshalb davon, dass das System an der Kippe ist. Die Gründe lauten:

  • Beschleunigte Monopolisierung von Diensten und Daten
  • Umfassende Transparenz der Menschen (nicht nur Nutzer*innen) bei gleichzeitiger Intransparenz der Unternehmen
  • Befeuerung gesellschaftlicher Polarisierung in Sozialen Netzwerken über Filterblasen, Verbreitung von Fake News und Hetze
  • Begehrlichkeiten von Regierungen und Staaten, Menschen verstärkt zu überwachen
  • Scheinbare Objektivierung von Entscheidungen durch Delegation an Algorithmen, u.v.m.

Diese negativen Aspekte und Entwicklungen sollen uns aber nicht davon abhalten, digitale Technologien in positiver Weise zu nutzen. Die Welt wäre ohne Digitalisierung keine bessere, im Gegenteil. 

“Technology is society made durable” (Bruno Latour, franz. Soziologe und Philosoph)

Um dem zu entgegnen, sind wir gefordert, Antworten und alternative Lösungswege zu finden. Die Devise dafür heißt Digitaler Humanismus. Es bedeutet, die Menschen wieder ins Zentrum technologischer Entwicklungen zu stellen und sie zum Maßstab im digitalen Zeitalter zu machen. Im Digitalen Humanismus geht es um eine Verlagerung weg von computer-literate people hin zu people-literate technology.

Dazu brauchen wir neue Ansätze in und durch Wissenschaft und Forschung, vor allem eine über die wissenschaftlichen Disziplinen hinweg gehende Zusammenarbeit, damit humanistische und gesellschaftliche Werte bei der Entwicklung von Technologien, Systemen und Geschäftsmodellen Eingang finden. Die Frage lautet also nicht, wie diese Werte gegen technologische Entwicklungen verteidigt werden können, sondern wie können digitale Technologien als Mittel der Stärkung und Verbreitung positiver gesellschaftlicher Werte und Visionen dienen.

Ein zentraler Baustein dafür ist die Zusammenarbeit der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) mit den Computerwissenschaften – und zwar in dem Sinne, dass die Erkenntnisse der GSK an vielen Stellen die Entwicklungen in den Computerwissenschaften grundieren und beeinflussen sollen. Stichworte dafür sind: Ethikfragen, Regulierung, neue Geschäftsmodelle, Ermächtigungsstrategien für sozial Benachteiligte, Partizipation. 

Es braucht die Anstrengung und die Involvierung vieler, um einen Veränderungsprozess auszulösen. Dazu gehören die Wissenschaft, die Politik, die Gesellschaft und nicht zuletzt auch die Digitalindustrie aus der zuletzt auch vermehrt kritische Stimmen kommen. 

“We cannot outsource the moral responsibility of our technologies to third parties.” (Google employees in an open letter to CEO Sundar Pichai)

Im Fokus der Aktivitäten des WWTF stehen in dieser Phase, entsprechende Forschungskapazitäten in Wien aufzubauen und dabei die GSK mit den Computerwissenschaften zusammen zu bringen, um interdisziplinäre Vorhaben zu ermöglichen. Diese Zusammenarbeit soll neue Ansätze eröffnen, um alternative Entwicklungen der Digitalisierung im Sinne der Aufklärung, des Humanismus und von europäischen Gesellschaftsmodellen voranzutreiben. Damit soll anwendungsorientiertes Grundlagenwissen für den Digitalen Humanismus in Wien geschaffen werden. Wien soll – gemeinsam mit anderen Initiativen in Europa, die Ähnliches anstreben – daran mitwirken, einen europäischen Weg in der Digitalisierung zu beschreiten. Der Wissenschaft kommt dabei eine zentrale Rolle zu.

“Our task is not only to rein in the downsides of information and communication technologies, but to encourage human-centered innovation.” (Vienna Manifesto on Digital Humanism)

Wien in an vorderster Front dabei, sich als ein Zentrum des Digitalen Humanismus zu etablieren. Viele Akteure und Institutionen sind aktuell dabei, Initiativen zu setzen. Hier sind insbesondere zu nennen:

“Aus seinen besonderen Stärken heraus eignet sich Wien vielmehr für die Entwicklung und Umsetzung digitaler Lösungen, die auf nachhaltige und inklusive Weise den Menschen nutzen, entlang eines neuen digitalen Humanismus.” (Stadt Wien, Innovations- und Wirtschaftsstrategie 2030)

  • Der WWTF hat im Auftrag der Stadt Wien eine Pilotstudie durchgeführt, um in einem ersten Durchlauf das Potential für den Digitalen Humanismus in Wien und Akteure, die in diesen Bereiche fallen könnten, zu erheben (kein Anspruch auf Vollständigkeit). 

Links:

 

Kontakt: Michael Strassnig

 

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